Figur und Bedeutung

 

 

Als Figur für den "Münsterstadt - Narr" wurde der am

3. Chorstrebenpfeiler auf der Südseite des Freiburger Münsters angebrachte "Wasserspeier" ( 1.Hälfte des 16. Jahrhunderts) ausgewählt - in den Münsterblättern auch als "Narr mit Schellenkapp" bezeichnet. Er trägt ein schellenbesetztes Gewand, seinen Kopf bedeckt eine Eselohrenkappe und auf der rechte Schulter trägt er ein krugähnliches Gefäß. Über die Bedeutung der verschiedenen Darstellungen der Wasserspeier gibt es unterschiedliche Interpretationen. Die einen sprechen von einer abschreckenden Wirkung der oft dämonischen Figuren, die ihre Artgenossen vom Gotteshaus fernhalten sollten, andere sehen in ihnen die menschlichen Laster verkörpert, die zur Warnung und Abschreckung der Gläubigen angebracht wurden. Im Mittelalter war der Dämonenglauben stark verbreitet, anderseits aber auch der "volkstümliche" Narr, der den Menschen mehr oder weniger scherzhaft das Spiegelbild ihrer eigenen Schwächen und Fehler vorhielt. Bekannt wurde dieser Narrentypus durch das "Narrenschiff" von Sebastian Brant. In diesem 1494 erschienenen, eher satirischen Werk werden in vielen Versen mithilfe des Narren als Symbolfigur den Menschen ihre Laster und Untugenden vor Augen geführt.

 

 

Zu dieser Kategorie gehörend - schelmische und volkstümliche - zählen wir "unseren"  Narren. Deshalb blickt die Münsterstadt-Narren-Maske freundlich in die närrische Welt und nicht so ernst wie der Wasserspeier am Münster. Funktionell betrachtet schützen die Wasserspeier das Mauerwerk vor dem Regenwasser, das über die in den Skulpturen eingearbeiteten Rinnen vom Bauwerk "weggespeit" wird 

 

 

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